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Deutsche in Polen

Die abgelichteten Personen stellen Deutsche dar, die sich zum Zeitpunkt der Aufnahmen in unterschiedlichen Kontexten in Polen aufhielten. Im Zeitraum von Juni 2003 bis Oktober 2004 wurden 64 Menschen fotografiert und 50 von ihnen in die Serie aufgenommen. Bedingt durch die Lochkameratechnik mussten die Freiwilligen Belichtungszeiten von bis zu 10 Minuten auf sich nehmen und entsprechend lange ausharren.

Den Bildern sind zugeordnet: Vorname, Initiale des Nachnamens sowie der in Klammern angegebene Zeitraum, den die Person bis zum Zeitpunkt der Aufnahme in Polen verbracht hat.

Zbigniew Tomaszczuk schreibt:

Dabei arbeitet sie [Georgia Krawiec] mit einer selbst gebauten Lochkamera, die sich als eigenartiger Vorhang zwischen ihr und der zu fotografierenden Person senkt. Sie stellt die Kamera gegenüber dieser Person auf, legt die Belichtungszeit fest – in der Regel für die Dauer von einigen Minuten – und…  verlässt das Atelier.

Das Modell wird Auge in Auge mit der Lochkamera allein gelassen; auf dessen individuelles Verhältnis zur Kamera und auf die Ausdauer beim langen Posieren kommt es beim Endergebnis an. Dies ist aber erst der Beginn der Arbeit.

Der zweite, grundsätzliche und kreative Teil folgt, indem Georgia Krawiec eine der so entstandenen Aufnahmen auswählt und zur weiteren Bearbeitung übergeht: Unter Anwendung der Fotomontage produziert sie das Endbild, das sich aus der durch Posieren entstandenen Fotografie und dem technischen Verfahren, oft unter Verwendung mehrerer Negative, zusammensetzt. Das, worauf es der Künstlerin im Wesentlichen ankommt, ist die individuelle Gestaltung der Form eines jeden Bildes. Daher bedient sie sich, je nach dem Charakter des Ausgangsmotives, unterschiedlicher Methoden des künstlerischen Eingriffs wie auch des abschließenden Tonens in einer eigenartigen, warmen, violettfarbenen Färbung.

Diese von dem Bild ausgestrahlte Verträumtheit ist kennzeichnend für die ganze Arbeit der Künstlerin. In der heutigen Zeit, die von permanenter Eile geprägt ist, geben die Arbeiten von Georgia Krawiec dem Betrachter Muße zur Reflexion, sie lassen ihn innehalten, den schnellen Rhythmus seiner omnicef dämpfen und sich der Unvermeidbarkeit des Vergehens bewusst werden. All das, was uns im Alltag scharf und eindeutig erscheint, überlagert und verwischt sich in der Perspektive der vergehenden Zeit und bildet in unserem Gedächtnis eben solche Bilder, wie die auf den Fotografien der Autorin.

Zbigniew Tomaszczuk: Sam na sam z otworkową [Allein mit der Kamera]. Katalog der Ausstellung Niemcy w Polsce. Deutsche in Polen. Übers. Joanna Moskal, Verlag Droste, Warschau, Polen 2005.

Technische Daten:
  • Anzahl der Werke: 50
  • Lochkamerafotografien & Fotomontagen auf Silbergelatinepapier, getont
  • Auflage 10 (+3)
  • verschiedene Größen und Formen
  • in Passepartout und Holzrahmen 40 x 40 cm

Das Projekt ist in den Jahren 2004 – 2005 entstanden.

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